16. November 2025

NS Zinnbergwerk Sauersack - Lost Place mit Geschichte in Tschechien

In der ehemaligen Ortschaft Sauersack – tschechisch Rovala – gab es den Zinnbergbau seit etwa 1550. 1857 endete diese Ära vorerst wegen zunehmend erschöpfter Lagerstätten. Mit der Besetzung des Sudetenlandes 1938 kehrte der Bergbau in die Region zurück.

Die Nationalsozialisten waren bestrebt, alle heimischen Rohstoffe zu gewinnen, um diese dann der Kriegswirtschaft zuzuführen. So entstand die Grube Sauersack, welche am 1. März 1940 eröffnet wurde. Betreiber war die Zinnbergbau Sudetenland GmbH.


1941 wurden hier 186 Menschen beschäftigt und es wurden über 1000 Tonnen Zinnerz gefördert. Der gesamte Komplex konnte auf Grund von Mangelwirtschaft im Krieg erst 1943 in Betrieb genommen werden. In der Umgebung gab es mehrere Anlage zur Zinnerzförderung. Ich habe die Stahlbetonkonstruktion der Aufbereitungsanlage mit Erzlager, Erzwäsche und Brecher besucht. Auch einen großen Spülteich hatte man hier geschaffen, welcher heute noch erhalten ist.


Die Rekrutierung von Arbeitern gestaltete sich schwierig, so dass bereits ab 1940 Kriegsgefangene aus Frankreich und später aus der Sowjetunion eingesetzt wurden. Zwangsarbeiter und auch deutsche wurden hier ebenfalls zur Arbeit gebracht. Letztlich arbeiteten hier dann um die 800 Menschen – mittlerweile auch sogenannte Ostarbeiter, also Zwangsarbeiter aus der Ukraine, Polen und Italien. Zur Unterbringung dieser Menschen entstand auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Arbeitslager aus Holzbaracken. Heute sieht man davon nur noch vereinzelt Fundamente – der Rest ist längst verfallen und verwittert. 


Einzelne Eingänge unter die Erde sind ebenfalls noch zu sehen sowie reichlich runde große Löcher im Boden. Es gab wohl ein unterirdisches Streckennetz, welches sich insgesamt auf 14 km erstreckt haben soll.


In zwei Jahren förderte die Grube Sauersack lediglich knapp über 100 Tonnen Reinzinn, was absolut nicht den damaligen Erwartungen entsprach. So stellte man 1945 den Betrieb ein – die Sowjets und die Amerikaner kamen immer näher. Die Wachmannschaften machten sich aus dem Staub und die Zwangsarbeiter marschierten in Richtung ihrer Befreier.


Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm der tschechische Staat die Grube. Technik wurde ausgebaut und der Rest der Gebäude sich selbst überlassen. Alles unterhalb der Erde wurde geflutet.

Die Siedlung Sauersack ist heute eine Wüstung. Von den 200 Häusern steht nur noch ein einziges Haus – das ehemalige Postamt – heute kann man dort Kaffee trinken.


Die Natur holt sich das Areal Stück für Stück zurück und selbst der Stahlbeton bröselt als riesiges Gerippe vor sich hin. Ein vergessenes Mahnmal mitten im tschechischen Wald – ohne Erklärungstafel, ohne Wegweiser, ohne Gedenken.

Im Video könnt ihr meinen Besuch gern auch in bewegten Bildern anschauen:







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