In der ehemaligen Ortschaft Sauersack – tschechisch Rovala – gab es
den Zinnbergbau seit etwa 1550. 1857 endete diese Ära vorerst wegen
zunehmend erschöpfter Lagerstätten. Mit der Besetzung des
Sudetenlandes 1938 kehrte der Bergbau in die Region zurück.
Die Nationalsozialisten waren bestrebt, alle heimischen Rohstoffe zu
gewinnen, um diese dann der Kriegswirtschaft zuzuführen. So entstand die
Grube Sauersack, welche am 1. März 1940 eröffnet wurde. Betreiber war die
Zinnbergbau Sudetenland GmbH.
1941 wurden hier 186 Menschen beschäftigt und es wurden über 1000 Tonnen
Zinnerz gefördert. Der gesamte Komplex konnte auf Grund von Mangelwirtschaft
im Krieg erst 1943 in Betrieb genommen werden. In der Umgebung gab es
mehrere Anlage zur Zinnerzförderung. Ich habe die Stahlbetonkonstruktion der
Aufbereitungsanlage mit Erzlager, Erzwäsche und Brecher besucht. Auch einen
großen Spülteich hatte man hier geschaffen, welcher heute noch erhalten ist.
Die Rekrutierung von Arbeitern gestaltete sich schwierig, so dass bereits ab
1940 Kriegsgefangene aus Frankreich und später aus der Sowjetunion
eingesetzt wurden. Zwangsarbeiter und auch deutsche wurden hier ebenfalls
zur Arbeit gebracht. Letztlich arbeiteten hier dann um die 800 Menschen –
mittlerweile auch sogenannte Ostarbeiter, also Zwangsarbeiter aus der
Ukraine, Polen und Italien. Zur Unterbringung dieser Menschen entstand auf
der gegenüberliegenden Straßenseite ein Arbeitslager aus Holzbaracken. Heute
sieht man davon nur noch vereinzelt Fundamente – der Rest ist längst
verfallen und verwittert.
Einzelne Eingänge unter die Erde sind ebenfalls noch zu sehen sowie
reichlich runde große Löcher im Boden. Es gab wohl ein unterirdisches
Streckennetz, welches sich insgesamt auf 14 km erstreckt haben soll.
In zwei Jahren förderte die Grube Sauersack lediglich knapp über 100 Tonnen
Reinzinn, was absolut nicht den damaligen Erwartungen entsprach. So stellte
man 1945 den Betrieb ein – die Sowjets und die Amerikaner kamen immer näher.
Die Wachmannschaften machten sich aus dem Staub und die Zwangsarbeiter
marschierten in Richtung ihrer Befreier.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm der tschechische Staat die
Grube. Technik wurde ausgebaut und der Rest der Gebäude sich selbst
überlassen. Alles unterhalb der Erde wurde geflutet.
Die Siedlung Sauersack ist heute eine Wüstung. Von den 200 Häusern steht nur
noch ein einziges Haus – das ehemalige Postamt – heute kann man dort Kaffee
trinken.
Die Natur holt sich das Areal Stück für Stück zurück und selbst der
Stahlbeton bröselt als riesiges Gerippe vor sich hin. Ein vergessenes
Mahnmal mitten im tschechischen Wald – ohne Erklärungstafel, ohne Wegweiser,
ohne Gedenken.
Im Video könnt ihr meinen Besuch gern auch in bewegten Bildern anschauen:







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