20. Dezember 2020

Erholung bei der NVA ... nun nicht mehr da - Lost Place

Update: 27.01.2022


Wir befinden uns im Jahr 2014 und halten uns in Frauenwald am Rennsteig in Thüringen auf. Bis zum Jahr 2018 stand hier (GoogleMapsLink) das ehemalige NVA-Erholungsheim "Auf dem Sonnenberg".

Das Erholungsheim lag zu DDR-Zeiten auf dem höchsten Punkt der Gemeinde Frauenwald auf dem Großen Riesenhaupt in 764 Metern Höhe - einem Gipfel des Kalten Staudenkopfes. Im Volksmund hatte es die Bezeichnung "Sprungschanzenhaus", was seiner äußeren Ansicht und der Bauart geschuldet war. Für DDR-Verhältnisse war es schon eine besondere Architektur.

Eröffnet wurde das NVA-Erholungsheim im Jahre 1976. Hier konnten die Soldaten der Nationalen Volksarmee ihren Urlaub verbringen. Aber auch Offiziere befreundeter Streitkräfte kamen wohl in den Genuss, sich hier zu erholen. Nach der Wiedervereinigung war es im Besitz der Bundewehr. Ab ca. 1990 wurde es auch zum Asylbewerberheim umfunktioniert. Danach stand es leer und verfiel. Später kaufte die Gemeinde das Objekt und ließ es abreißen.

Zeitgleich mit dem Bau des Erholungsheimes wurde wohl auch der Bunker in Frauenwald gebaut. Es handelte sich um einen Führungsbunker der SED, welcher heute als Bunkermuseum zu besichtigen ist.

In den Jahren des Leerstandes war das Gebäude eine Zeit lang nicht umzäunt. Ein Lost Place also ohne große Hindernisse. Gefunden haben wir das Gebäude eher durch Zufall. Wir waren in der Nähe im Urlaub und beim Wandern fiel uns das riesige Haus auf. Eine kurze Recherche im Netz und wir wussten, was wir vor uns hatten. Also musste man sich das mal genauer anschauen.

Im Eingangsbereich konnte man sich ziemlich gut orientieren. Die Rezeption war noch gut beschildert und auch die Fahrstühle sichtbar. Die Treppengeländer fehlten komplett, aber die Stufen machten och einen tragenden Eindruck. Also begannen wir unseren Rundgang durch das Gebäude.

Dabei entdeckten wir die klassischen hellblauen Fliesen in den Bädern der Gästezimmer. Die typischen blau-gelb-gestreiften DDR-Matratzen (vermutlich gab es nur diese eine Sorte) lagen achtlos weggeworfen auf dem Boden. Das ein oder andere Stück vom besten DDR-Mobiliar war auch noch anzutreffen. Und wir haben das Hallenbad besichtigt. Auch wenn das Becken nun voller Müll anstatt Wasser war, so war ich doch etwas erstaunt, dass es tatsächlich eines gab.

Leider war der Vandalismus schon recht fortgeschritten, so dass man alles nur erahnen konnte. Aber es war trotzdem ein toller Lost Place und ich wusste nun, dass es auch Erholungsheime für die NVA gab und hatte eine Vorstellung, wie es dort aussah. Eigentlich nicht viel anders als z. B. in einem FDGB-Erholungsheim.

Heute ist an der Stelle nichts mehr von dem ehemaligen Gebäude zu sehen. Bei Google Maps findet man nur noch eine große Rasenfläche vor. Ob und wie das Areal mal nachgenutzt wird oder wem es gehört, entzieht sich meiner Kenntnis.