29. Juli 2023

Lost Place - Geisterstadt Balestrino in Italien


In der Region Ligurien in Norditalien befindet sich die Gemeinde Balestrino. Die gesamte ehemalige Altstadt ist ein Lost Place. Doch wie kam es dazu?

Balestrino befindet sich etwa 10 Kilometer von der Ligurischen Küste entfernt in den Bergen. Oberhalb gelegen in der hügeligen Landschaft eigentlich sehr idyllisch. Die Entstehung dieser Ansiedlung geht auf die Altsteinzeit zurück, später prägten auch die Römer das Ortsbild. Doch so lange dieser Ort auch bestand, die Lage barg auch große Gefahren.

Im Jahre 1953 verließen die Einwohner die auf 1,5 Hektar ausgedehnte Altstadt aus Angst vor einem eventuell bevorstehenden Erdrutsch. Ausschlaggebend hierfür war eine Reihe von Erdbeben in der Region. Und so wurde der alte Kern zur Geisterstadt. Weit geflohen sind die meisten Anwohner jedoch nicht. Sie siedelten sich in sichereren Gebieten um den alten Ortskern herum wieder an und gründeten damit ein zweites - neues - Balestrino. Der Übergang vom neuen zum alten Ort ist fließend. Man erkennt das ganz gut an einer Stelle, wo bewohnte Häuser stehen, dann der Straßenbelag wechselt und anschließend das Ruinengebiet losgeht.

Von weitem schon sieht man das Castello di Balestrino. Es ist das eigentliche Wahrzeichen von Balestrino und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Dieses ist jedoch weder verlassen noch zugänglich. Es befindet sich in Privatbesitz und wird kameraüberwacht. Und es steht direkt an der Grenze zu der Zone, welche heute verlassen ist.

Es gibt zwei Wegen in die Geisterstadt. Beide sind komplett abgeriegelt und sowas von gesichert, wie ich es bei einem solchen Lost Place noch nicht gesehen habe. Richtig massive Eisentore versperren den Weg. Da geht es weder rechts noch links dran vorbei und obendrüber schon gar nicht.

Früher muss der verlassene Teil von Balestrino aber mal frei zugänglich gewesen sein. Immerhin ist es mit eine der berühmtesten Geisterstädte Italiens und es gibt viele Berichte über Besuche im Internet. Irgendwann waren es dann wohl zu viele Urbexer und zu viele Gefahren, die von den Ruinen ausgingen, so dass man sich entschloss, hier abzusperren. An den beiden verriegelten Zugängen finden sich Bautafeln aus dem Jahr 2015. Die Schilder tragen den Titel "Urbanisierungsarbeiten an der Hauptstraße des alten Dorfes" und es handelt sich um ein von Europäischen Union kofinanziertes Projekt. Zu sehen ist, dass man einen Holztunnel entlang der ehemaligen Straße im gesperrten Gebiet gebaut hat - mehr aber auch nicht. Keine Ahnung, ob hier jemals noch etwas vorangeht oder ob man einfach dieses Projekt in Leben rief, um die Geisterstadt als Baustelle abriegeln zu können.

Beeindruckend steht noch - oder besser gesagt verfällt - die alte Kirche, deren ruinöser Kirchturm alles überragt. Blickt man durch den Bauzaun, so sieht man viele verlassene Häuser, eingestürzte Dächer, Bewuchs wo früher keiner war und ärgert sich natürlich ein bisschen, dass man hier nicht zwischen Ruinen mal entlangschnarchen kann.

Aber die Drohne war dabei - dann eben von oben. Dass man aus Versehen hier Menschen auf ihren Balkonen erwischt, war ja ausgeschlossen.

Kommt mit auf einen Rundflug über die Geisterstadt Balestrino und riskiert ein paar Blicke durch die Bauzäune im Video:


In Balestrino wurde im Jahr 2008 auch der Film Tintenherz gedreht. Die Kulisse der Ruinen und des Verfalls schien sich da wohl bestens zu eignen. Ich selbst hab den Film noch nicht gesehen - muss ich unbedingt mal nachholen.



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