17. März 2022

Lost P(a)LACE - Es Foguero (Mallorca)


Es Foguero PALACE war einst ein großer Revue-Palast. Doch leider sind die guten Zeiten, in denen hier die Eintrittskarten begehrt und die Vorstellungen exzellent waren, schon längst vorbei. Geblieben ist eine Ruine, die glamouröse Zeiten erahnen lässt.

Bereits vor Jahren fiel mir dieses Objekt im Vorbeifahren auf einer Landstraße außerhalb der Ortschaft ins Auge. Man sah von der Straße aus, dass es ein riesiges Gebäude ist, welches schon bessere Zeiten erlebt hatte. Allerdings war ich nicht sicher, ob es tatsächlich leer ist oder ob es noch für irgendwas genutzt wird. Irgendwann fiel es mir wieder ein und ich hab angefangen zu recherchieren.


Bei der Recherche stieß ich auf die interessante aber letztlich auch traurige Geschichte des Bauwerks: Am 8. August 1989 wurde das riesige Revue-Theater, welches etwa 2000 Gästen Platz bot, eröffnet. Zur Eröffnung war kein geringerer als Julio Iglesias der Stargast des Abends. Es wurde diniert und die Eintrittskarten waren nicht ganz preiswert.

Ein Geschäftsmann namens José Casas, welcher bereits ein ähnliches Objekt am anderen Ende der Insel betrieb, hatte hier sein zweites Revue-Theater eröffnet. Das Es Foguero PALACE verfügte über eine dreh-, schwenk- und kippbare Bühne. Er war vollgestopft mit modernster Veranstaltungstechnik. Die Küche war exzellent und die Künstler, welche hier auftreten durften, waren erlesen und begehrt. Auch sollte es eine Bühne für die spanische Hofreitkunst bieten. Hier spielte sich also nicht der Billig-Tourismus der Insel ab, sondern es wurde Mallorca mit Stil und Rang präsentiert.

Der riesige Innenbereich ähnelt einem Amphitheater. Im Halbrund waren die Plätze angeordnet und es gab auch Emporen. Man hatte praktisch von überall aus einen perfekten Blick auf die riesige Bühne. Im Randbereich gab es Treppenaufgänge, im Untergeschoss waren die Garderoben sowie Keller- und Technikräume.





Auch Architektonisch macht das Gebäude von außen schon was her. Von der einen Seite hoch in den Himmel ragend und viereckig, von der anderen Seite halbrund mit den Wasserbecken davor. Man kann sich auch heute noch gut vorstellen, welchen Glanz das Gebäude mal ausstrahlte. Auch die Größe der Außenflächen ist beeindruckend - Parkplätze für Pkw und Busse muss es wohl reichlich gegeben haben.

So beeindruckend Architektur, Konzept und Programm auch waren, so kurzlebig war das Ganze dann auch. Nach nur zwei Jahren musste man feststellen, dass es eben nicht läuft und die Gäste ausblieben. Vielleicht war es doch nicht der optimale Ort oder es sprach das falsche Publikum an? Man unternahm noch einen Versuch, das Theater als eine Discothek zu betreiben. Doch im Jahr 1992 scheitere auch dieser Versuch und man gab das Gebäude auf. Heute ist im Gebäude außer dem Beton nichts mehr drin. Angeblich durften die Anwohner sich 1992 bedienen und rausholen was zu gebrauchen war.

Alle weiteren Nutzungskonzepte wie Veranstaltungsgelände oder Umsteigebahnhof wurden stets wieder verworfen. Und so steht heute - 30 Jahre nachdem die Lichter ausgingen - eine Ruine mitten in der Landschaft, wo sie so gar nicht hinpasst und wohl auch damals schon nicht hinpasste.

Wie ich gelesen habe, leben in dem Gebäude wohl ab und an auch Obdachlose. Als ich dort war, bin ich zum Glück niemandem begegnet. Ich hatte ohnehin ein mulmiges Gefühl. Dummerweise hatte ich eben vorher zu dem Objekt recherchiert und da ist mir auch eine tragische Geschichte begegnet.

Im Jahr 2010 gab es im Untergeschoss wohl einen Mord unter Obdachlosen. Ein Obdachloser wurde von seiner Ex-Freundin erschlagen. Das ist auch der Grund, weshalb ich die Katakomben nicht betreten habe. Ich fands schlicht zu gruselig und irgendwie auch pietätlos. Es soll aber auch Menschen geben, die genau deshalb an diesen Ort gehen. Sie meinen, der Geist des Ermordeten wäre immer noch im Gebäude unterwegs. Mag sein. Ich war jedoch froh, gar niemandem - egal ob Geist oder Fleisch - begegnet zu sein.

Die künstlerische Ausgestaltung mit den Graffitis kann sich übrigens an einigen Stellen durchaus sehen lassen. Ich finde es ja stets toll, wenn neben den üblichen Schmierereien auch mal was Gelungenes zu sehen ist.

Ich hab im Es Foguero PALACE natürlich auch einen BlogStone by hugolienchen hinterlassen - den "Zwerg" mit der #7. Bin gespannt, ob der jemals gefunden wird oder ob er einfach untergeht in dem riesigen Gebäude und einfach als bemalter Stein dort liegt, ohne dass ihn jemand wahrnimmt.


Der zwischenzeitlich 74jährige Casas hat vor wenigen Jahren nun auch sein zweites Revue-Theater geschlossen und sich komplett aus dem öffentlichen Leben der Insel zurückgezogen. Ob da nun am anderen Ende der Insel noch so ein toller Lost Place entsteht oder ob es eine Nachnutzung gibt, kann ich nicht sagen. Manchmal muss ja auch erst etwas Zeit vergehen.

Und hier noch ein paar Bilder zum Zurücklehnen und Anschauen...




2 Kommentare:

  1. Juhu, Lost Places finde ich ja ganz spannend, besonders mit Blick auf die Vergangenheit. Aber ich finde es super traurig, dass das Gebäude gerade mal 3 Jahre genutzt wurde und seitdem vor sich hin rottet. Was für eine Verschwendung von Ressourcen. Aber ich finde es erfreulich, dass es zumindest hier und da ein paar ansprechende Graffitis gibt. Und ganz ehrlich, in die Katakomben hätte mich auch nichts gezogen.


    Liebe Grüße
    Mo

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  2. Lost Places finde ich immer richtig spannend! Ich selbst war noch nie auf Mallorca, aber wusste bis eben auch nicht, dass es dort mal einen Revuepalast gab! Schade, dass er nun dem Verfall überlassen wird, aber die Graffiti finde ich zum Teil richtig cool!

    Liebe grüße
    Jana

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