4. November 2022

Herz aus Eisen - Weltkulturerbe Völklinger Hütte


Im Saarland an der Saar befindet sich die Stadt Völklingen. Eine eher kleine Stadt mit rund 40.000 Einwohnern. Aber hier war mal was richtig Großes: Die Völklinger Hütte. Eine Eisenhütte, welche heute als erstes Industriedenkmal aus dem Zeitalter der Industrialisierung zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.





Die Geschichte der Völklinger Hütte begann im Jahr 1873, als das Eisenwerk gegründet wurde. Allerdings wurde das Werk auf Grund billiger Importmöglichkeiten nach nur sechs Jahren wieder geschlossen. Doch keine zwei Jahre später wurden Areal und Anlagen aufgekauft und es entstand der größte Eisenträgerhersteller in ganz Deutschland. Von da an ging es mit der Industrialisierung hier bergauf - zumindest bis zum Ersten Weltkrieg.

Knapp 1500 russische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mussten im Ersten Weltkrieg hier die schweren Arbeiten verrichten. 143 Menschen kamen in dieser Zeit ums Leben. Aber hiermit der Schande noch nicht genug. Auch im Zweiten Weltkrieg mussten über 12.000 Menschen hier Zwangsarbeit verrichten. 261 dieser Zwangsarbeiter ließen in der Hütte ihr Leben.

Auch diesem dunklen Kapitel der Geschichte ist in der Völklinger Hütte ein Andenken gewidmet. Mit einer Dauerinstallation schuf der französische Weltkünstler Christian Boltanski einen Erinnerungsort. Als Besucher ist man zuerst etwas irritiert, was die unzähligen Blechboxen mit Nummern darstellen. Man geht zwischen den hoch aufgestapelten Boxen eine enge und nur spärlich beleuchtete Gasse entlang und landet an einem aufgetürmten Haufen schwarzer Kleidung, aus Lautsprechern hört man im Flüsterton Namen der Opfer. Wie ich finde, eine gelungene Installation um innezuhalten und der Opfer dieser Zeit zu gedenken.

Nach dem Krieg begann in der Völklinger Hütte ein Aufschwung. Die Nachfrage nach Eisen war enorm. Die Hütte stand unter französischer Verwaltung und erst im Jahr 1956 - als das Saarland zu Deutschland zurückkehrte - bekamen die alten Besitzer den Betrieb zurück.

Die weltweite Stahlkrise im Jahr 1975 setzte auch der Völklinger Hütte  mit ihren fast 17.000 Beschäftigten zu. Fusionen retteten aber letztlich den Standort - zumindest noch eine Weile. Zuletzt entstand 1986 die Saarstahl Völklingen GmbH, welche aber auch der sich weiter verschärfenden Krise nicht standhalten konnte. Etwa 8500 Arbeitsplätze  mussten abgebaut werden. Am 4. Juli 1986 kam dann nach über 100 Jahren das endgültige Aus für Völklinger Hütte.

Aber ganz so "Aus" war es dann doch nicht mit dem Standort. Die alten Anlagen und Gebäude wurden zum Denkmal. 1994 dann erfolgte die Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe.

Die gesamte Geschichte der Völklinger Hütte könnt ihr auf der wirklich gut aufbereitete Website nachlesen - Link wie immer unterm Blog. Hier erfahrt ihr auch, welche Anlagen und Verfahren damals zur Eisenhütte gehörten und wie die Arbeitsabläufe von statten gingen.

Die Völklinger Hütte war für mich das bislang wohl größte besuchte "Museum". Fasziniert hat mich, dass hier alles noch so echt wirkte. Also ob bis vor kurzem hier noch gearbeitet wurde, obwohl das Werk ja nun schon 36 Jahre geschlossen ist. Zwischen dem ganzen Stahl und den Maschinen finden sich immer genügend Tafeln, welche sehr gut erklären, wo man sich grad befindet und wofür das damals genutzt wurde.

Auch ein kleines Kino gibt es - geht hinein und schaut Euch den Film an! Wirklich sehr interessant, um die Arbeit der damaligen Zeit zu verstehen.

Nachdem ich im Innenbereich eine ganze Weile zugebracht habe, führte der Weg dann nach draußen. Rückblickend betrachtet, für mich der aufregendste Bereich. Hier geht es nämlich 27 Meter nach oben und es gibt auch hier neben einem tollen Ausblick auf das Gelände jede Menge zu erkunden. Ihr solltet bei einem Besuch also nicht nur gut zu Fuß sein, sondern auch schwindelfrei und halbwegs fit. Für den Aufstieg benötigt ihr einen Helm, den ihr vor Ort bekommt.

Aber nicht nur ein authentisches Museum findet ihr in der Völklinger Hütte vor. Auch Kunst hat hier und da seinen Platz zwischen dem rostigen Stahl gefunden. Bilder, Installationen und auch im Außenbereich ist hier und da ein Objekt zu finden. Sonderausstellungen und Veranstaltungen werden ebenfalls regelmäßig organisiert - hierzu findet ihr ebenfalls Infos auf der Website.

Und wer vom vielen Laufen und Staunen hungrig wird, der findet auch etwas zur Stärkung. Es gibt eine Art Bistro/Café am Eingangsbereich und in weiteren Bereichen Snackautomaten. Wer allerdings wie ich seine Tasche incl. Geld im Schließfach gelassen hat, ärgert sich letztlich, dass er keine Münzen dabeihat. Also merken: Die Automaten möchten keine Zahlung per Handy, sondern kleines hartes Geld. Nichts desto trotz solltet ihr Eure Taschen und Rucksäcke tatsächlich im Schließfach lassen - die belasten nur und die Wegstrecke, die man zurücklegt incl. der vielen Treppen bewältigt sich besser ohne Ballast.

Fazit: Ein tolles Stück Vergangenheit mit echtem Museumcharakter. Ein Besuch macht schlauer und steigert Eure Demut gegenüber Arbeitern in einer Eisenhütte. Ihr werdet das Gelände erst wieder verlassen wollen, wenn ihr das Gefühl habt, alles Spannende auch gesehen zu haben. Alles in allem solltet ihr mindestens 4 Stunden für einen Besuch einplanen - immer wenn ihr denkt ihr seid gleich durch, tut sich was neues Spannendes auf. Auch der 12jährige war recht begeistert von diesem riesigen Werk und hat gut durchgehalten und war immer wieder neugierig, was es als nächstes zu entdecken gibt.



Kommt noch mit auf einen Rundgang durch die Völklinger Hütte in einem kurzen Video. Ich wette, ihr bekommt Lust, selbst dieses Stück Weltkulturerbe zu besuchen: 


Der Eintrittspreis von 17 Euro pro Erwachsenem ist voll in Ordnung für das was man hier geboten bekommt. Kinder (in Begleitung Erwachsener) und Jugendliche bis 18  Jahre sowie Studenten bis 27 Jahre haben freien Eintritt. Und für wen die 17 Euro zu viel sind, der hat Dienstags ab 16 Uhr die Gelegenheit, die Völklinger Hütte kostenfrei zu besuchen. Zu Öffnungszeiten und Preisen gibt es auch alle Infos auf der Website.

Eingang Völklinger Hütte: GoogleMaps

Parkplatz: GoogleMaps (direkt am Gelände und kostenfrei)

Website: LINK

Eintritt: 17 Euro pro Erwachsenem
(Kinder/Jugendliche/Studenten frei) - Stand: 10/2022



1 Kommentar:

  1. Tip: Wer Gast in einer Jugendherberge z.B. in Saarbrücken ist, bekommt dort kostenfrei die Saarland Card, mit der man kostenlos die Hütte und viele andere Attraktionen besuchen kann

    AntwortenLöschen

Die Software von Blogger tut sich manchmal etwas schwer mit dem Veröffentlichen (vom Handy oder Inkognito). Wenn es Euch nicht gelingt, gern Kommentar per Mail an hugolienchen@gmx.de - ich pack ihn dann rein.