19. Januar 2022

Verfallener Urlaub - FDGB Erholungsheim Fritz Heckert in Gernrode (Harz)


In der früheren DDR gab es gewerkschaftliche Erholungsheime für die arbeitende Bevölkerung. Hier konnte man dann recht günstig und relativ komfortabel seinen Jahresurlaub verbringen. So auch im FDGB-Erholungsheim "Fritz Heckert" in Gernrode.

Die Stadt Gernrode ist mittlerweile Teil der Stadt Quedlinburg und liegt im Harz in Sachsen-Anhalt. Der Harz war zu DDR-Zeiten schon eine sehr gefragte Urlaubsregion. Und in solchen Regionen schuf der FDGB Ferienheime.

Aber was war der FDGB? Das war der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund. Sozusagen der DGB der DDR. Ok, vielleicht noch mit dem Unterschied, dass es auch die Gewerkschaft der Staatsorgane war. Und dass es die Einheitsgewerkschaft war - aber mit wenig Auswahl war der gelernte DDR-Bürger ja eh schon vertraut. Aber da will ich jetzt nicht tiefer einsteigen. Fakt ist, dieser FDGB hat in der DDR reichlich Ferienunterkünfte hervorgebracht.

Das FDGB-Erholungsheim Fritz Heckert - auch Heckert-Heim genannt - war der erste Neubau in der Geschichte des Tourismus der DDR. Dieses Ferienheim wurde von 1952 bis 1954 gebaut. Und es gab sogar eine Briefmarke zu 10 Pfennig mit dem Ferienheim drauf.

Eingangsbereich

1969 wurde das FDGB-Heim um ein Bettenhaus und eine Gaststätte mit Bar erweitert. Die Gastronomie konnte auch von Nicht-Gästen des Ferienheims genutzt werden. 1990 wurde das Erholungsheim komplett geschlossen - das System der Ferien mit dem FDGB gab es nicht mehr.

Das später angebaute Bettenhaus wurde zuerst abgerissen. Der Rest des Gebäudes war dem Verfall preisgegeben. Lt. Wikipedia kündigte die Stadt Gernrode im Jahre 2021 den Verkauf an, damit dort Ferien- und Eigentumswohnungen entstehen sollen. Das Gebäude an sich steht unter Denkmalschutz. Somit kommt ein völliger Abriss wohl nicht in Frage.

Und so steht heute mitten in der Natur eine große Ruine, die aber auf relativ solide Bausubstanz schließen lässt. Es ist keine Glasscheibe mehr drin, kein Kabel, kein Schalter - paar Metallsachen vielleicht noch. Kein Bodenbelag, keine Tapete, keine Lampe befinden sich mehr in dem Komplex. Es wurde scheinbar fachmännisch und vollständig entkernt. 






 















Dafür finden sich an den Wänden in den vielen Räumen reichlich Graffiti - allerdings vom künstlerischen Wert nicht ganz so die Elite - dabei hätte man hier echt Ruhe, Platz und Licht. Dass die Kunst hier hinter den Erwartungen blieb, hat mich etwas enttäuscht.




 








Das Gebäude ist übrigens weder eingezäunt noch sind irgendwie mit einer Betretungsbarriere versehen. Geländer haben nur die Zentraltreppen - die in den hinteren Aufgängen nicht. Es gibt auch ein paar richtig große Löcher im Boden, wo vermutlich die Abdeckklappen fehlen. Auch bodentiefe Fenster in den oberen Geschossen bieten keine Begrenzung zum Abgrund. Ebenfalls sind die Fahrstuhlschächte offen. Die Besichtigung ist also eher nicht mit kleinen Kindern und nicht im Dunkeln zu empfehlen.

Wenn ihr mal Google nach diesem Erholungsheim befragt, dann findet ihr im Netz noch Bilder, wie es damals zu Betriebszeiten aussah. Eigentlich gar nicht so übel. Vor dem Eingang parkten Autos und rechts daneben war auf einer großen Freifläche ein schöner Freisitz eingerichtet. Auch der Speisesaal war mit bequemen Sesseln ausgestattet und es gab richtige Tischdecken. Damals hatte Urlaub - auch in der DDR - noch etwas mehr Stil als das was wir heute aus einigen großen Clubhotels kennen.

Bei Google findet sich auch eine Luftaufnahme, auf der gut zu erkennen ist, wie riesig sich das später angebaute und dann abgerissene Bettenhaus an das Ursprungsgebäude nach hinten raus streckte.

Auch auf der Website ferienheim.org finden sich unter DIREKTLINK einige Bilder aus besseren Zeiten.

Die Außenanlagen sind im gleichen trostlosen Zustand wie die Innenräume. Auch hier nichts mehr von einem Freisitz oder Pkw-Stellflächen zu sehen. Aber von den oberen Etagen des Gebäudes habt ihr einen schönen Blick auf die Landschaft.









Letztlich war dieses doch sehr große FDGB-Erholungsheim grad mal 36 Jahre in Betrieb. Ich bin gespannt, welche Zukunft das Gebäude haben wird.

Wer noch weitere spannende Infos zu dem Objekt hat, der kann mir hier gern in die Kommentare schreiben!



6 Kommentare:

  1. Das FDGB Heim Fritz Heckert habe ich im Januar 1985 mit meiner Cousine besucht.Und wie sollte es sein auch die Liebe meines Lebens gefunden.Waren vor ein paar Jahren mal wieder da habe mich über den Zustand mächtig erschrocken mir standen die Tränen in den Augen. Seit Jahren ist der Harz unser lieblings Reiseziel. Und nun sind wir schon 36 Jahre verheiratet und verdanken unser gemeinsames Leben dem FDGB Heim Fritz Heckert. Danke das es dich gab.

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  2. Das war ja mal ein spannender Beitrag. Ich finde Geschichte - egal ob ältere oder neuere - sehr spannend. Das FDGB Erholungsheim Fritz Heckert in Gernrode sagte mir bis jetzt gar nichts. Es erstaunt mich aber, dass diese Ruine (als solches würde ich das Gebäude schon bezeichnen wollen) so komplett ohne Schutz darsteht. Offene Fahrstuhlschächte und Löcher im Boden sind ja echt nicht ohne.
    Ein wahrer Lost-Place, wie mir scheint.

    Liebe Grüße
    Mo

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  3. Tolle Bilder! Fast ein bisschen gruselig! Ich war noch nie in so einem Lost PLaces finde sie aber auch für Fotos mega spannend. Sieht aber auch nicht ganz ungefährlich aus. Konntest Du da einfach so reinlaufen?! Ei Ei Ei…… :D
    Viele Grüße,
    Katharina (www.windelnundworkouts.de)

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  4. Liebe Grit,
    Wie die meisten hier kannte ich das DGB Erholungsheim Fritz Heckert nicht. Aber wie süß ist denn bitte gleich der erste Kommentar, mit der gefundenen Liebe :-)
    Ich bin gerne und öfter im Harz unterwegs, erst letztes Wochenende war ich in Braunlage. Ich bin dort meist in der Natur unterwegs, weshalb ich tatsächlich noch keine der typischen hübschen Harz-Städte, zu denen ja auch Quedlinburg gehört, besucht. Das steht aber auf jeden Fall auf meiner To-Do-Liste.
    Beste Grüße von Miriam von Nordkap nach SÜdkap

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  5. Liebe Grit,
    ich bin immer ganz fasziniert von Lost Places. Doch bei so manchen Gebäuden ist die Geschichte ja dann doch etwas gruselig.
    Ich bin sehr gerne im Harz unterwegs und werde mich echt mal auf eine Lost Places Tour begeben. Ideen gibt es ja so einige.
    Allerdings bin ich kein echter Fan von Street Art dieser Art. Das muss für mich nicht sein.

    Liebe Grüße, Katja

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  6. Zum Glück hat es jemand diesem Macho gezeigt! Von wegen "Frauen sind Objekte"! Ich selbst bin ja auch noch DDR-Kind, war aber nie mit meinen Eltern in solch einem Heim zum Urlaubmachen! Aber immerhin schon mal im Harz, aber dieses Gebäude kannte ich bis eben nicht! Danke für die Vorstellung!

    Liebe Grüße
    Jana

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