10. August 2022

Der Duce & die Madonna - Antrodoco (Italien)

Antrodoco ist eine Gemeinde mit etwa 2500 Einwohnern im Latium an der Grenze zu den Abruzzen in Italien. Eigentlich ein relativ unscheinbarer Ort, der dennoch Interessantes zu bieten hat. Von hier aus schaut man nämlich auf den DUX-Schriftzug am Monte Giano - eine Hommage an Benito Mussoline aus dem Jahre 1939. Weiterhin gibt es eine Wallfahrtskirche Madonna delle Grotte, die eine interessante Geschichte hat und sehenswert ist.

DUX am Monte Giano

In der Grenzregion Latium-Abruzzen in Italien gibt es auf dem Berg Monte Giano ein Monument in Form von einer Pflanzung, welche einen Schriftzug darstellt: DUX. Schon wenn man Antrodoco über die SS4 anfährt, kann man den rieisigen Schriftzug sehen. Aber was hat es damit auf sich und warum ist er so umstritten?

Die Buchstaben DUX stammen vom Wort DUCE. Duce ist lateinisch und bedeutet in Italien so viel wie Führer. Und genau um so eine geht es auch beim DUX-Kiefernwald. Es ist nämlich eine Hommage an Benito Mussolini, welcher auch Duce genannt wurde. Im Jahr 1939 - während der faschistischen Zeit - wurde der Kiefernwald mit den drei Buchstaben angelegt. Der Wald umfasst etwa 8 Hektar und bestand aus ca. 20.000 Kiefern.

Aber man hat die Bäume nicht nur gepflanzt, um Mussolini zu huldigen. Hintergrund der Pflanzung ist, dass das am Fuße des Berges Monte Giano liegende Dorf Antrodoco regelmäßig von Erdrutschen heimgesucht wurde. Das Wasser und die Erde kamen mit voller Wucht vom Berg und brachten Tod und  Zerstörungen. Und so machte es sich die Forest Guard School of Cittaducale zur Aufgabe, am kahlen Berg die Kiefern zu pflanzen und den Ort Antrodoco zu schützen. Viele junge Menschen beteiligten sich damals an der Pflanzaktion. 

Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurden Stimmen laut, den Schriftzug vom Berg zu entfernen. Doch das war nicht so einfach möglich - immerhin hatte der Wald eine Schutzfunktion. Außerdem verwies man darauf, dass es ein Teil der Geschichte des Landes sei. In den 50er Jahren erfolgte eine Aufforstungsinitiative, bei der man unter die drei Buchstaben einen großen Rechteck pflanzte, um den Schriftzug weniger deutlich erscheinen zu lassen. Im August 2017 kam es dann zu einem Waldbrand, welcher sich vermutlich nicht selbst entzündet hatte. Hierbei wurden Teile des Schriftzuges zerstört. Aber bereits Anfang 2018 pflanzten Freiwillige der CasaPound (politische rechte Bewegung) 1000 neue Kiefern, um die Schrift wiederherzustellen. Hierfür hatte man wohl aber weder ein Genehmigungsverfahren durchlaufen noch die Allgemeinheit nach ihrer Meinung gefragt. Die Aktion war jedenfalls sehr umstritten, wurde jedoch nicht gestoppt.

Und so stehen auf dem Monte Giano noch im Jahr 2022 tausende Kiefern und bilden einen Schriftzug, welcher einem faschistischen Führer huldigt. Im Winter, wenn auf dem Monte Giano Schnee liegt und die Sicht weit und klar ist, kann man den Schriftzug DUX angeblich bis Rom sehen.




Madonna delle Grotte

Und wenn ihr grad in der Nähe von Antrodoco unterwegs seid, dann schaut Euch auch noch die Madonna delle Grotte an. Es handelt sich hierbei um eine Wallfahrtskirche aus dem Jahre 1603, die sich an der Straße SS17 ca. 5 Kilometer vor Antrodoco befindet.

Im Jahre 1601 entdeckte ein 8jähiges Mädchen in einer Höhle ein Bild Marias mit einem Kind auf dem Arm. Schnell sprach sich der Fund herum und der Bischof Cesare Segni ließ einen Altar bauen und segnete den Ort. Kurz darauf entstand aus Spendengeldern die Kirche.


Jedes Jahr zur Pfingstzeit gibt es eine Prozession, an der die Bürger von Antrodoco teilnehmen und die Madonnenstatue von der Kirche Madonna delle Grotte in den Ort zur Pfarrkirche S. Maria Assunta tragen. Dort verbleibt die Statue dann etwa zwei Wochen, um danach in einer weiteren Prozession zurück gebracht zu werden.

Pfarrkirche S. Maria Assunta


Blick auf DUX: Google Maps

Madonna delle Grotte: Google Maps




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