7. September 2022

Montebello & Azzurrina - eine traurige Geschichte

Die Burg von Montebello befindet sich in der italienischen Region Emilia Romagna. Vom bekannten Badeort Rimini ist sie etwa 25 Kilometer entfernt in Richtung des Landesinneren. Montebello Castle ist nicht einfach nur eine alte Burg, wie es davon mehrere in der Gegend gibt. Montebello hat eine Geschichte, deren Aussage auch heute noch viel Aktualität besitzt.



Aber der Reihe nach. Vom Parkplatz (Link unterm Blog) bis nach Montebello-Ort ist es nur ein kleines Stück bergauf. Montebello bedeutet übrigens "Berg des Krieges" (mons belli) und der Name ist zurückzuführen auf blutige Auseinandersetzungen der Römer im 3. Jahrhundert. Heute gibt es hier kleine Bars und von der Straße aus führt der Weg weiter hinauf zur Burg.

Die Burg Montebello wurde etwa um das Jahr 1000 auf den Überresten eines römischen Baus errichtet. Bis etwas zum 16. Jahrhundert wurde die Burg dann als Residenz ausgebaut und bis zum 18. Jahrhundert bewohnt. Als Napoleon nach Italien kam, verließ die dort lebende Familie die Burg und zog nach Rom. Bevor sie flüchteten, versteckten sie die Möbel in unterirdischen Gängen und verschlossen diese. Aus diesem Grund kann man heute in der Burg noch diese alten Möbelstücke im Original bewundern. Und wer sich jetzt fragt, warum ich davon kein Foto gemacht habe... In der Burg ist das fotografieren nicht gestattet. Aus diesem Grund eben nur Aufnahmen des Außenbereiches. Aber ihr solltet Euch das Innere tatsächlich mit eigenen Augen ansehen - es wirklich sehenswert! Und auch der Ausblick von oben ist ein Genuss.

Wenn man an der Burg oben angekommen ist, erreicht man zuerst den Souvenirshop und die Bar. Optimal für eine kleine Erfrischung und einen Snack - zumindest wenn das Thermometer draußen um die 36 Grad anzeigt. Im Obergeschoss stehen Tische und Stühle und man kann hier sitzen und aus den kleinen Fenstern auf die Landschaft schauen - irgendwie schön!

Weiter ging es dann bergauf zum eigentlich Eingang der Burg. Hier ist dann auch die Kasse - für 2 Erwachsene und einen 12jähigen haben wir 21 Euro bezahlt. Es gibt auch Führungen, allerdings nicht ständig und nicht in jeder Sprache. So gesehen hatten wir das Glück, dass grad nur eine italienische Führung lief und wir ein Handout mit 4 A4-Blättern bekamen, um uns frei in der Burg zu bewegen und selbst zu lesen. Fanden wir letztlich auch spannender als in einer Gruppe geführt zu werden. Die alten Möbel im Montebello Castle sind wirklich richtig gut erhalten und faszinierend. Auch im Handout wieder der Hinweis aufs Fotografierverbot. Alle Stationen sind gut beschrieben und das Innere der Burg wirklich gut aufgearbeitet.




Der spannendste Punkt war dann Station Nummer 8, wo es um die ganz oben schon erwähnte Geschichte geht, welche sich hier zugetragen haben soll. Ein Mädchen, welches Azzurrina genannt wurde und mit bürgerlichen Namen Guendalina Malatesta hieß spielt da die Hauptrolle. Sie war eine Albina und wohnte Mitte des 14. Jahrhunderts in der Burg. Sie hatte weiße Haare und rote Augen und nach damaligen Maßstäben war sie eine Hexe. Die Eltern liebten ihr Kind und versuchten alle, das Mädchen normal wirken zu lassen. Die Färbung der Haare mit schwarzer Tinktur führte dazu, dass sie blau wurden. Der Vater stellte zwei Soldaten ab, um das Mädchen beschützen zu lassen - Hexen waren damals nicht beliebt. Im Juni 1375 geschah es dann. Azzurrina spielte mit ihrem einzigen Spielzeug - einem Stoffball. Dieser rollte eine Treppe hinunter, welche zu einer Grotte führte. Sie kehrte nie wieder zurück. Sowohl Azzurrina als auch der Ball blieben verschwunden. Seitdem erzählt man sich, ass Azzurrina zur Zeit der Sonnenwende, aber nur wenn ein starkes Gewitter tobt und nur in einem Jahr, welches entweder mit einer Null oder mit einer fünf endet, mit den Lebenden Kontakt aufnimmt. In den Jahren 1990 und 1995 wurden Aufnahmen von der italienischen Rundfunkgesellschaft gemacht, wo angeblich Lachen und Weinen von Azzurrina zu hören sind.

Was sagt uns die Geschichte heute und warum ist sie heute noch immer aktuell? Es geht um Ausgrenzung von Menschen, die anders sind. Es geht darum, dass Unwissen zu Annahmen führt, die Menschen ausgrenzen. Das kann dann eben dazu führen, dass diese Menschen sich zurückziehen oder gar verschwinden. An der Stelle, wo der Ball des Mädchens in Montebello Castle die Treppe runterrollte, erlebt der Besucher optisch und akustisch eine kleine Überraschung, die schon etwas gruselig ist.

Fazit: Eine sehr sehenswerte Burg mit einmaligem Interieur und einer Geschichte, die zum Nachdenken anregt!

Kommt noch im Video mit auf einen kleinen Rundgang im Außenbereich der Burg mit wunderschönem Ausblick aufs Umland:



Parkplatz: GoogleMaps
(gebührenpflichtig lt. Schild, aber nichts zum Bezahlen gefunden)



1 Kommentar:

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