18. Mai 2022

Der höchste Lost Place im Erzgebirge - Keilberg (CZ)

Im Erzgebirge befindet sich auf der tschechischen Seite der höchste Berg im Erzgebirge. Mit 1243,7 m.n.m. ist der Keilberg 29 Meter höher als der auf deutscher Seite gegenüberliegende Fichtelberg. Im Tschechischen heißt der Keilberg Klínovec. Früher wurde der Berg im Deutschen auch "Sonnenwirbel" genannt.

Gemeinsam mit dem Fichtelberg ist der Keilberg Bestandteil der wichtigsten Wintersportregion im Erzgebirge. Am Keilberg sind die Bedinungen meist sogar noch besser als auf der deutschen Seite, denn hier gibt es mehr Pisten und Infrastruktur für Wintersportler. So gesehen, ist der Keilberg im Winter sicherlich ein Highlight - neue Seilbahnen und hochmoderne Sanitäranlagen weisen darauf hin, dass zumindest wintersportlich gesehen hier touristisch was los ist.

In den schneelosen Zeiten des Jahres sieht es hier oben allerdings eher düster aus. Dabei gäbe es Potential ohne Ende auf dem Gipfel. Das Einzig touristische Ziel auf dem Berg ist wohl der Aussichtsturm. Aber starten wir erstmal mit der traurigen Geschichte des Berges in Sachen Tourismus, welche bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurückblickt.

Auf dem Gipfel findet sich ein wunderschönes und großes mit Holz verkleidetes Gebäude. Dabei handelt es sich um das ehemalige Hotel. Heute ein klassischer LostPlace. Dabei hatte man Großes vor. Unter dem Projekttitel "Einrichtung und Infrastruktur des Tourismus in der Region Zentrales Erzgebirge - 1 Etappe" hatte man den Plan, mit Fördermitteln der EU knapp 3 Millionen Euro zu investieren. Von Sommer 2007 bis Jahresende 2013 sollte hier kräftig saniert werden. Aber das Projekt nahm nie wirklich Fahrt auf bzw. scheiterte offensichtlich.

Einzig der Aussichtsturm wurde im Rahmen des Projektes grundhaft erneuert. Bereits 1883 wurde der erste Turm auf dem Gipfel gebaut und 1884 feierlich eröffnet. Damals trug der Turm den Namen "Kaiser Franz-Josef-Aussichtsturm" und war 17 Meter hoch.

Zu Zeiten des Uranbergbaus in der Region war der Turm nicht zugänglich. Erst nach Schließung der Schächte in den 60er Jahren wurde er für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1983 wurde die letzte Rekonstruktion durchgeführt. 1991 wurde der gesamte Komplex von der Stadt Jáchymov für 18 Millionen Tschechische Kronen (CZK) an die Firma Interconex a. s. Litomerice verkauft. Die Firma versprach, 25 Millionen CZK zu investieren und sowohl Hotel als auch Turm zu sanieren. Aber statt tätig zu werden, verkaufte man einfach weiter.

Im Jahre 2003 wurde der gesamte Komplex von der Gesellschaft Sluzby Bozi Dar s.r.o., welche im Eigentum der Stadt Bozi Dar steht, erworben. Der Aussichtsturm wurde aufgrund des schlechten Zustandes im September 2004 geschlossen und man begann mit der Sanierung. Weit kam man jedoch nicht, denn im Verlaufe der Arbeiten stellte man fest, dass der Turm unreparierbare Schäden aufweist. Der Turm wurde bis zu den Grundsteinen abgerissen und neu aufgebaut. Heute ist neben dem Aufstieg auch der Besuch einer kleinen geschichtlichen Ausstellung möglich.

Neben dem Turm entstand 1893 ein Gasthaus. Dies war der Beginn einer weiteren touristischen Nutzung des Areals. Im Jahr 1900 wurde ein Saal angebaut - eine Küche und neun Gästezimmer kamen hinzu. Drei Jahre später begann man, den Berg wintersportlich zu nutzen. Damals war Schlittenfahren angesagt. 1912 dann wurden die Kapazitäten von Gastwirtschaft und Unterkunft weiter ausgebaut. Insgesamt konnte man dann 40 Gästezimmer vorhalten. Die besten Zeiten hatte das Hotel dann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Platz für 112 Personen. Heute steht das Haus als Ruine auf dem Gipfel und ob es je wieder in altem Glanze erstrahlt, steht in den Sternen.




Zurück in der Gegenwart lässt sich feststellen: Wintersport lohnt auf dem Keilberg. Hier gibt es Seilbahnen, Toiletten und im Winter sicherlich auch einen Kiosk, der Speis & Trank serviert. In der übrigen Jahreszeit lohnt ein Ausflug auf den Keilberg für diejenigen, die den Aussichtsturm besteigen und die Aussicht genießen wollen. Aber auch die Ruine des ehemaligen Hotels hat ihren Charme. Für Wanderer und Mountainbiker ist der Keilberg ebenfalls ein super Ziel.


Auf dem Plateau selbst gibt es keine Gastronomie, was aber nicht heißt dass man hungrig bleiben muss. Ein Leser wies mich darauf hin, dass in der Nähe ein Restaurant ist. Etwa 550 Meter Fußweg vom Aussichtsturm Richtung Norden findet sich das Lokal "Schöne Aussicht" (Občerstvení Krásná Vyhlídka), wo man wohl gut speisen kann.

Anfahrt: GoogleMaps

Parken: kostenfrei

Eintritt Turm: 50 CZK oder 2 Euro

Toiletten: vorhanden, gebührenpflichtig

Gastronomie: "Schöne Aussicht", 550 Meter nördlich, GoogleMaps

Website "Schöne Aussicht": LINK



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